Äthiopien soll in seiner westlichen Grenzregion ein geheimes Ausbildungslager für Kämpfer der sudanesischen Rapid Support Forces eingerichtet haben. Nach Recherchen von Reuters trainieren dort seit Monaten Tausende Rekruten für den Einsatz im sudanesischen Bürgerkrieg. Die Vorwürfe markieren erstmals konkrete Hinweise auf eine direkte äthiopische Beteiligung an dem Konflikt im Nachbarland Sudan.
Reuters meldet Ausbildung von RSF-Kämpfern nahe der sudanesischen Grenze
Die Informationen wurden am 10. Februar öffentlich und beruhen nach Angaben der Nachrichtenagentur auf Aussagen mehrerer äthiopischer Regierungs- und Sicherheitsquellen sowie auf ausgewerteten Satellitenbildern.
Lage und Umfang des mutmaßlichen Lagers
Das Lager befindet sich demnach im Bezirk Menge in der Region Benishangul-Gumuz, rund 30 Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt. Satellitenaufnahmen zeigen hunderte Zelte, militärische Fahrzeuge sowie anhaltende Bautätigkeit. Interne Sicherheitsdokumente gehen von einer Kapazität von bis zu 10.000 Kämpfern aus.

Nach Angaben aus äthiopischen Sicherheitskreisen befanden sich Anfang Januar mehr als 4.000 RSF-Kämpfer in militärischer Ausbildung. Mehrere Quellen erklärten, dass bereits Hunderte Absolventen in den vergangenen Wochen die Grenze überquert hätten, um die RSF im sudanesischen Bundesstaat Blue Nile zu unterstützen.
Vorwürfe zur Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate
Mehrere von Reuters zitierte Quellen führen die Finanzierung des Lagers auf die Vereinigten Arabischen Emirate zurück. Demnach sollen Bau, logistische Unterstützung und militärische Ausbildung durch emiratische Stellen erfolgt sein. Ein internes äthiopisches Sicherheitsdokument sowie ein diplomatisches Schreiben stützen diese Darstellung.
Das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate wies eine Beteiligung zurück und erklärte, nicht Teil des sudanesischen Konflikts zu sein. Eine unabhängige Bestätigung der Finanzierungsangaben liegt bislang nicht vor.
Verbindung zur äthiopischen Militärführung
Nach Angaben aus Sicherheits- und Diplomatenkreisen soll General Getachew Gudina, Leiter des militärischen Nachrichtendienstes der äthiopischen Streitkräfte, den Aufbau des Lagers koordiniert haben. Offizielle Stellen in Addis Abeba äußerten sich zu den Vorwürfen nicht. Auch die Rapid Support Forces sowie die sudanesischen Streitkräfte reagierten nicht auf Anfragen.
Ausbau militärischer Infrastruktur in Grenznähe
Parallel zum Lagerbau wurde der Flughafen Asosa, rund 50 Kilometer entfernt, umfangreich ausgebaut. Satellitenbilder zeigen neue Hangars, befestigte Flächen sowie Einrichtungen, die von Militärexperten als Bodenstationen für Drohneneinsätze eingeordnet werden. Mehrere regionale Beobachter sehen darin einen Teil einer strategischen Verlagerung äthiopischer Militärkapazitäten an die Westgrenze.

Die Nähe des Lagers zur Großen Äthiopischen Renaissance-Talsperre hat zusätzlich Besorgnis ausgelöst. Regionale Diplomaten äußerten die Befürchtung, dass eine Ausweitung der Kämpfe im Grenzgebiet auch kritische Infrastruktur in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Sudan-Krieg zieht Nachbarstaaten tiefer hinein
Der Bürgerkrieg im Sudan dauert seit 2023 an und hat Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Neben Ägypten, Tschad, Libyen und Südsudan geraten zunehmend auch weitere Nachbarstaaten unter Druck. Internationale Beobachter warnen seit Monaten vor einer Regionalisierung des Konflikts.
Die nun bekannt gewordenen Vorwürfe verstärken diese Sorge. Die mögliche Ausbildung sudanesischer Milizen auf äthiopischem Staatsgebiet würde eine neue Dimension der Verflechtung regionaler Akteure im Sudan-Krieg markieren.