Äthiopien und China haben ihre umfassende strategische Zusammenarbeit bei einer Reihe hochrangiger Gespräche in Addis Abeba weiter ausgebaut. Im Mittelpunkt standen bilaterale Beziehungen, regionale Stabilität am Horn von Afrika sowie wirtschaftliche und technologische Kooperation. Anlass war der zweitägige Besuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in der äthiopischen Hauptstadt, wo er unter anderem von Premierminister Abiy Ahmed empfangen wurde.
Der Besuch ist Teil einer Afrika-Reise Wang Yis vom 7. bis 12. Januar, die neben Äthiopien auch Somalia, Tansania und Lesotho umfasst. Addis Abeba nahm dabei eine zentrale Rolle ein, nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung Äthiopiens als Sitz der Afrikanische Union und als politischer Akteur am Horn von Afrika.
Gespräche mit Premierminister Abiy Ahmed
Premierminister Abiy Ahmed empfing den chinesischen Außenminister im Nationalpalast in Addis Abeba. Nach Angaben des äthiopischen Regierungsbüros standen die Gespräche im Zeichen der langfristigen Partnerschaft zwischen beiden Staaten sowie gemeinsamer politischer und wirtschaftlicher Interessen. Beide Seiten bekräftigten die enge Zusammenarbeit, die in den vergangenen Jahren zu einer sogenannten „Allwetter-Strategiepartnerschaft“ ausgebaut worden war.

In den Gesprächen wurden klassische Kooperationsfelder wie Wirtschaft, Handel, Infrastruktur, Energie und Verkehr ebenso thematisiert wie neue Bereiche. Dazu zählen insbesondere die digitale Wirtschaft, E-Commerce, künstliche Intelligenz und grüne Energien. Diese Felder gelten aus äthiopischer Sicht als zentral für die nationale Entwicklungsstrategie und die geplante wirtschaftliche Transformation des Landes.
Austausch auf Ebene der Außenminister
Parallel zu den Gesprächen mit dem Premierminister führte Wang Yi Konsultationen mit Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos. Dabei bekräftigten beide Seiten ihre Absicht, die Zusammenarbeit nicht nur bilateral, sondern auch regional und multilateral zu vertiefen.
Der äthiopische Außenminister hob die Bedeutung der langjährigen Beziehungen zu China hervor, die auf gegenseitigem Respekt, politischer Solidarität und wirtschaftlicher Unterstützung beruhten. China sei ein wichtiger Partner für die Entwicklungsagenda Äthiopiens und spiele eine zentrale Rolle bei Investitionen in Infrastruktur, Industrie und Energie.
FM @GHessebon today held talks with Chinese FM Wang Yi, underscoring the high importance #Ethiopia attaches to its robust, all-weather strategic partnership with #China, rooted in longstanding friendship, solidarity, and mutual respect. FM Gedion expressed appreciation for… pic.twitter.com/x0YYsjynEI
— The Ministry of Foreign Affairs of Ethiopia 🇪🇹 (@MFAEthiopia) January 8, 2026
Wang Yi erklärte, Äthiopien sei bewusst als erste Auslandsstation seines Jahresprogramms gewählt worden. Dies unterstreiche die strategische Bedeutung Afrikas und insbesondere Äthiopiens für die chinesische Außenpolitik. China verstehe sich weiterhin als verlässlicher Partner Afrikas in Fragen von Entwicklung, Frieden und globaler Zusammenarbeit.
Wirtschaftliche Dimension der Partnerschaft
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet weiterhin das Rückgrat der Beziehungen zwischen Äthiopien und China. Nach Angaben der äthiopischen Regierung hat das bilaterale Handelsvolumen inzwischen die Marke von 13 Milliarden US-Dollar überschritten. China zählt damit zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes.
Besonders stark ist das chinesische Engagement in den Bereichen verarbeitende Industrie, Bauwesen, Straßen- und Eisenbahninfrastruktur sowie Energieerzeugung. Industrieparks, Bahnprojekte und Kraftwerksbauten prägen seit Jahren das Bild der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Diese Investitionen sind eng mit Chinas Belt and Road Initiative verknüpft, an der Äthiopien aktiv teilnimmt.
Darüber hinaus wurde betont, dass neue Wachstumsimpulse aus der Ausweitung der Zusammenarbeit auf digitale Technologien und grüne Energie erwartet werden. Diese Bereiche sollen sowohl zur Schaffung von Arbeitsplätzen als auch zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Äthiopiens beitragen.
Regionale Rolle Äthiopiens und Horn von Afrika
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf regionalen Fragen. Beide Seiten würdigten Äthiopiens Rolle als politischer Akteur am Horn von Afrika. China bekräftigte seine Unterstützung für regionale Initiativen, die auf Stabilität, wirtschaftliche Vernetzung und politische Kooperation abzielen.
H.E. PM Abiy Ahmed welcomed China’s Minister of Foreign Affairs, H.E. Mr. Wang Yi, underscoring the enduring partnership between the peoples and governments of #Ethiopia and #China and reaffirming their strategic global cooperation. pic.twitter.com/bYeWKBmeUM
— Ambassador Nebiyu Tedla 🇪🇹 (@AmbNebiyuTedla) January 8, 2026
Besondere Aufmerksamkeit galt der von China vorgeschlagenen „Outlook on Peace and Development in the Horn of Africa“-Initiative. Diese verbindet sicherheitspolitische Ansätze mit Entwicklungsfragen und Governance-Themen. Äthiopien begrüßte diesen Ansatz und verwies auf die Notwendigkeit, regionale Konflikte durch Dialog, wirtschaftliche Integration und institutionellen Aufbau zu entschärfen.
Multilaterale Zusammenarbeit und globale Fragen
Neben bilateralen Themen spielten multilaterale Formate eine wichtige Rolle. Beide Seiten betonten ihre enge Abstimmung in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen sowie in Formaten des Globalen Südens. Auch Äthiopiens jüngerer Beitritt zu BRICS-plus wurde als zusätzliche Plattform für wirtschaftliche und politische Kooperation hervorgehoben.
Einen festen Platz nahm zudem die politische Positionierung Äthiopiens zur Ein-China-Politik ein. Addis Abeba bekräftigte erneut, dass es die Volksrepublik China als einzigen rechtmäßigen Vertreter Chinas anerkennt und Taiwan als Teil des chinesischen Staatsgebiets betrachtet.