Die Kommission der Afrikanischen Union und die Volksrepublik China haben ihre strategische Partnerschaft weiter vertieft. Beim 9. China–Afrikanische-Union-Strategiedialog am Hauptsitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba verständigten sich beide Seiten auf eine engere Kooperation in den Bereichen Modernisierung, globale Ordnung, regionale Entwicklung und Friedenspolitik. Parallel dazu wurde das Jahr 2026 offiziell als „China–Afrika-Jahr des Austauschs zwischen den Bevölkerungen“ eröffnet.
An dem Dialog nahmen der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, sowie Chinas Außenminister Wang Yi teil. Beide Seiten betonten, dass Afrika und China als Akteure des Globalen Südens in zentralen internationalen Fragen ähnliche Positionen vertreten.
Gemeinsame Positionen des Globalen Südens
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die politische Abstimmung zwischen der Afrikanischen Union und China in globalen und regionalen Fragen. Beide Seiten erklärten, sie wollten die legitimen Interessen des Globalen Südens gemeinsam vertreten und ihre jeweiligen Kerninteressen gegenseitig unterstützen. Dazu gehöre auch eine engere Koordination in multilateralen Foren.
Joint Press Release of the African Union – China Strategic Dialogue.
— African Union (@_AfricanUnion) January 8, 2026
The Chairperson of the African Union Commission, H.E. Mahmoud Ali Youssouf, and Member of the Political Bureau of the CPC Central Committee, and Minister of Foreign Affairs of the People’s Republic of #China,… pic.twitter.com/QHBjAgovTI
Die Gesprächspartner unterstrichen die Bedeutung einer internationalen Ordnung, die auf Völkerrecht beruht. Genannt wurden insbesondere die Achtung staatlicher Souveränität und territorialer Integrität sowie die friedliche Beilegung von Konflikten. Diese Grundsätze seien aus Sicht beider Seiten unverzichtbar für Stabilität und Entwicklung, insbesondere in politisch fragilen Regionen.
Afrikanische Union bekräftigt Ein-China-Politik
Ein zentraler politischer Punkt des Dialogs war die klare Positionierung der Afrikanischen Union zur Ein-China-Politik. Die AU bekräftigte ausdrücklich, dass es nur ein China gebe und Taiwan als Teil des chinesischen Staatsgebiets betrachtet werde. Gleichzeitig sprach sie ihre Unterstützung für die Bemühungen der chinesischen Regierung um nationale Einheit aus.
Diese Haltung entspricht der langjährigen Position der Afrikanischen Union und ihrer Mitgliedstaaten in den Beziehungen zu China und wurde von chinesischer Seite ausdrücklich begrüßt.
Austausch zu Venezuela und internationalen Spannungen

Die Gespräche umfassten auch aktuelle internationale Entwicklungen. Beide Seiten äußerten sich besorgt über die jüngsten Ereignisse in der Bolivarischen Republik Venezuela. Dabei betonten sie, dass die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten gewahrt bleiben müssten und die Grundprinzipien der Charta der Vereinten Nationen einzuhalten seien.
Mit dieser Positionierung machten die Afrikanische Union und China deutlich, dass sie in internationalen Krisenfällen auf eine rechtlich fundierte und multilaterale Herangehensweise setzen.
Wang Yi setzt Fokus auf Modernisierung und Entwicklungsstrategien
Ein weiterer Schwerpunkt des Strategiedialogs lag auf der wirtschaftlichen und institutionellen Modernisierung Afrikas. Beide Seiten diskutierten konkrete Ansätze zur engeren Verzahnung ihrer Entwicklungsstrategien. Besonders hervorgehoben wurde die Abstimmung zwischen Chinas 15. Fünfjahresplan und dem zweiten Zehnjahres-Umsetzungsplan der Agenda 2063.
Diese strategische Angleichung soll sicherstellen, dass chinesische Investitionen und Kooperationsprojekte stärker mit den langfristigen Entwicklungszielen der Afrikanischen Union übereinstimmen. Dazu zählen Infrastruktur, industrielle Entwicklung, Digitalisierung und regionale Integration.
Agenda 2063, AfCFTA und sicherheitspolitische Initiativen

Auf afrikanischer Seite bekräftigte die AU ihr Engagement für zentrale Projekte der Agenda 2063. Genannt wurden insbesondere die Initiative „Silencing the Guns bis 2030“ sowie die African Continental Free Trade Area, die den innerafrikanischen Handel stärken soll.
Außenminister Wang Yi verwies seinerseits auf eigene internationale Initiativen, darunter die Global Security Initiative, die Global Governance Initiative und den Aufbau einer Internationalen Organisation für Mediation. Beide Seiten vereinbarten, ihre jeweiligen Programme besser miteinander zu verzahnen und politische Abstimmung sowie praktische Zusammenarbeit zu intensivieren.
Umsetzung bestehender Abkommen und praktische Kooperation
Abschließend bekräftigten die Afrikanische Union und China ihren Willen, bereits geschlossene Kooperationsabkommen und Absichtserklärungen konsequent umzusetzen. Ziel sei es, bestehende Vereinbarungen in konkrete Projekte zu überführen, die messbare Ergebnisse für die Bevölkerung in Afrika und China liefern.
Der Strategiedialog machte deutlich, dass die Partnerschaft zwischen der Afrikanischen Union und China über klassische Entwicklungszusammenarbeit hinausgeht und zunehmend politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Dimensionen umfasst.