US-Botschafter in Südafrika entschuldigt sich nach “Kill the Boer”-Kritik

Die Spannungen zwischen Südafrika und den Vereinigten Staaten haben sich nach Äußerungen des US-Botschafters Leo Brent Bozell III deutlich verschärft. Das südafrikanische Außenministerium bestellte den Botschafter ein, während die Oppositionspartei Economic Freedom Fighters seine Ausweisung fordert. Die diplomatische Auseinandersetzung eskalierte am 11. und 12. März nach öffentlichen Äußerungen Bozells zu südafrikanischen Gesetzen, Gerichtsentscheidungen und politischen Positionen.

Nach Angaben des Ministeriums für internationale Beziehungen und Zusammenarbeit wurden die Äußerungen des Botschafters als undiplomatisch und als Verstoß gegen etablierte diplomatische Standards gewertet. Außenminister Ronald Lamola erklärte, Südafrika begrüße öffentliche Diplomatie und enge bilaterale Beziehungen, erwarte dabei aber die Einhaltung internationaler Protokolle und den Respekt vor der Souveränität des Landes.

Pretoria reagiert auf Kritik an Gerichten und Gesetzen

Auslöser der diplomatischen Reaktion waren Aussagen Bozells bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern in der Westkap-Provinz. Dort kritisierte er unter anderem das südafrikanische Enteignungsgesetz, die Politik des Broad-Based Black Economic Empowerment und das Anti-Apartheid-Lied „Kill the Boer, Kill the Farmer“.

Nach Darstellung der südafrikanischen Regierung berührten diese Äußerungen auch die Unabhängigkeit der Gerichte. Lamola betonte, die Justiz des Landes arbeite unabhängig und entscheide Fragen auf Grundlage der verfassungsmäßigen Verfahren. Er wies zudem die Darstellung zurück, die südafrikanische Transformationspolitik richte sich gegen Minderheiten. Broad-Based Black Economic Empowerment sei kein „umgekehrter Rassismus“, sagte er.

Botschafter entschuldigt sich nach Einbestellung

Nach Angaben südafrikanischer Diplomaten äußerte Bozell bei der förmlichen Einbestellung Bedauern und entschuldigte sich für Äußerungen, die als Missachtung der südafrikanischen Justiz verstanden worden seien. Demnach bekräftigte er auch, konstruktiv mit der Regierung in Pretoria zusammenarbeiten zu wollen.

Bozell veröffentlichte zudem eine öffentliche Entschuldigung in sozialen Medien. Zugleich hielt er daran fest, dass seine persönliche Haltung zu dem umstrittenen Lied mit der Sicht vieler Südafrikaner übereinstimme, die dieses als schädlich betrachteten.

EFF verlangt Erklärung zur persona non grata

Die Economic Freedom Fighters reagierten mit der Forderung, den US-Botschafter zur persona non grata zu erklären. Der Sprecher der Partei, Sinawo Thambo, warf Bozell vor, Südafrika, den Präsidenten, das Parlament und das Justizsystem missachtet zu haben. Die Partei wertete die Äußerungen als Eingriff in innen- und außenpolitische Angelegenheiten des Landes.

Die EFF begründete ihre Forderung zudem mit der Haltung der Vereinigten Staaten in mehreren internationalen Konflikten. Eine entsprechende Entscheidung der südafrikanischen Regierung gibt es bislang nicht.

Belastetes Verhältnis zwischen Washington und Pretoria

Die aktuellen Spannungen fügen sich in ein bereits angespanntes Verhältnis zwischen beiden Staaten ein. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus Anfang 2025 haben sich politische und diplomatische Differenzen verschärft.

Im Zentrum der Kritik aus Washington stehen nach Angaben der beteiligten Akteure die südafrikanische Transformationspolitik, die Beziehungen Pretorias zu Iran, die Mitgliedschaft im BRICS-Format sowie die Klage Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof. Pretoria weist Vorwürfe zurück, seine Politik diskriminiere Minderheiten, und verweist auf rechtsstaatliche Verfahren sowie die außenpolitische Linie der Blockfreiheit.

Trotz der aktuellen Spannungen stellte die südafrikanische Regierung klar, dass sie an einem pragmatischen Verhältnis zu den Vereinigten Staaten festhalten will. Nach Angaben aus Pretoria gehören die USA weiterhin zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Südafrikas.

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